Impressionen vom 06.02.2016 – missbrauchen von Missbrauchsopfern, Sexismus in Piratentrümmern

Nach über einem Monat Pause lege ich mal wieder mit meinen Impressionen los. In der Zwischenzeit ist ja einiges passiert, aber nicht alles möchte ich aufarbeiten.

1) Trotzdem ist der Skandal um die Silvesternacht in Köln mein erstes Thema. Was aus meiner Sicht davon bleibt ist: Beinahe ausnahmslos Jeder der sich zum Thema geäußert hat, hat es als Blancoscheck für die eigenen Forderungen oder Ansichten verstanden. Überwachungsfans haben sofort mehr Überwachung gefordert, Feministinnen die generalisierte Opferrolle der Frauen ansich kultiviert, und Menschen die in jungen Männern als erstes (und einziges?) potentielle Vergewaltiger sehen haben postuliert alle Männer seien potentielle Vergewaltiger. Und Islamfeinde und auch Parteien wie die AfD zeigen sich natürlich sehr dankbar über solche Vorfälle, die sicher ein paar Prozentpunkte mehr bringen bei den kommenden Landtagswahlen.

Das bleibt vom Skandal: der Missbrauch von Missbrauchsopfern für politische Zwecke.

2) In Berlin rumort es in den Trümmern der Piratenpartei, beziehungsweise in denen der Piratenfraktion des dortigen Abgeordnetenhauses. Das alleine ist noch keine Meldung wert, das Niveau und die Ausprägung allerdings schon. So werfen Fraktionsmitglieder Christopher Lauer und Fabio Reinhardt ihrer Kollegin Susanne Graf direkt vor, während der Zeit im Abgeordnetenhaus zwei Kinder bekommen zu haben. Tja, offenbar ist das em-pö-rend!! so etwas zu tun.

Pikant ist das vor Allem deshalb, weil Fabio Reinhardt (Ehemann der Feministin Julia Schramm) sich in der Vergangenheit stets als eine Art feministischer Ally profiliert hat und beispielsweise behauptete Männer könnten generell nicht Opfer von sexistischer Diskriminierung sein. Wie er wirklich über Frauen und emanzipierte Lebensentscheidungen denkt zeigt eher dieser Tweet:

Verteidiger einer Gesellschaftsordnung in der gewählte Vertreterinnen erst ihre Fraktion fragen müssen bevor sie Kinder bekommen dürfen, habe ich unter Maskulisten übrigens noch nicht kennen gelernt.

Das ist es, was am Ende des Tages von feministischen Allies übrig bleibt wenn es darauf ankommt. Kann man einfach mal zur Kenntnis nehmen.