Die Nützlichkeit des Feminismus

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Der Sinn und Zweck des Feminismus – so wie er in die Öffentlichkeit und in die Köpfe der Menschen transportiert werden soll – ist die Förderung von Frauenrechten.
Schlägt man ein Lexikon auf, so ist stets zu lesen, Ziel des Feminismus sei die Gleichberechtigung von Männer und Frauen.

Für die meisten Männerrechtler ist es eine Binsenweisheit, dass sich der Feminismus nur dann für Gleichberechtigung einsetzt, wenn sie die Rechte, Möglichkeiten und Chancen von Frauen fördert. Viele Feministinnen vertreten diese Position ganz offen. Und sie ist sicherlich auch ehrlicher als die der Feministinnen, die ihrem Feminismus das alleinseligmachende Heilsversprechen in Sachen Gleichberechtigung zusprechen, und „keine Götter neben sich“ dulden.

Feministinnen engagieren sich für Frauenrechte, Maskulisten engagieren sich für Männerrechte. Das gemeinsame Ziel: Mehr Gleichberechtigung für alle Menschen.

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Was bleibt vom Outing eines Bundesligaprofis?

Einige Wochen sind jetzt vergangen, seit sich der ehemalige Bundesligaprofi und Spieler in der Nationalmannschaft Thomas Hitzelsberger in der ZEIT als schwul geoutet hat.

Das Thema ist jetzt die Blogs und Zeitungen einmal rauf und runter gegangen. Viele kommentieren das Outing als banal. Für andere war es ein kleiner großer Schritt in Richtung Normalität für den Profifußball.

Seit Ewigkeiten hinkt der deutsche Profifußball den modernen gesellschaftlichten Realitäten hinterher, bildet sie auf der anderen Seite auch erstaunlich gut ab.

Wer nämlich denkt Thomas Hitzelsberger sei der erste Nationalspieler gewesen der sich als homosexuell geoutet hätte, der irrt. Homosexualität war im Frauenfußball in den letzten Jahren nie ein Problem.

Bereits im Jahr 2011 war Homosexualität im Frauenfußball Normalität. Und die erste eingetragene Lebenspartnerschaft einer Spielerin der Nationalmannschaft galt als derartig alltäglich, dass darüber keine merkbare Berichterstattung stattfand.

Schon damals war klar: Männer und Frauen werden im Profisport mit zweierlei Maß gemessen was Homosexualität angeht.

Über die Gründe kann man bestenfalls spekulieren. Klar ist aber: Frauen ist ein Outing offenbar problemlos möglich, Männer müssen ein Outing fürchten.
An dieser Stelle bildet der Profifußball die historische gesellschaftliche Realität ab. Während Schwule in der Vergangenheit Verfolgung und Gefängnis fürchten mussten, galt das für Lesben so nie.

Der §175 StGB, der Homosexualität zwischen Männern generell und später in bestimmten Fällen verbot, galt immerhin bis 1994. Zu Zeiten des Nationalsozialismus mussten Schwule das KZ fürchten, Frauen wurden wegen ihrer Homosexualität nicht verfolgt.

Homosexualität unter Frauen galt stets höchstens als „Verirrung“, Homosexualität unter Männern galt stets als Verbrechen. Diese historischen Verhältnisse setzen sich bis heute fort.

Und das ist es tatsächlich, was vom Outing des ersten männlichen Bundesligaprofis bleibt: Nämlich dass Männer nicht das gleiche „Recht“ haben homosexuell zu sein wie Frauen.

In Zukunft werden wir wohl viele weitere kleine Schritte im deutschen Profifußball erleben, bis es endlich normal sein kann, dass ein neuer Shooting-Star in der Nationalmannschaft schwul ist, und sein Partner bei den Spielerfrauen und -freundinnen auf der Tribüne sitzt.

DIE ZEIT berichtet über „Das geschwächte Geschlecht“

In der aktuellen Ausgabe der ZEIT berichten Elisabeth Raether und Tanja Stelzer über die „Not am Mann“.
(Update: inzwischen ist der Artikel online verfügbar)
Ausgerechnet zwei Frauen schreiben über das Männerthema – kann das gut gehen? Warum lässt man männliche Journalisten nicht dieses Feld bearbeiten?

Vorab: das Dossier in der aktuellen ZEIT bringt viele Fakten, ist sehr gut, zieht aber wenige notwendige Schlüsse, und endet mit einem grandiosen Fauxpas. Ganz vergessen werden im Artikel die Ungerechtigkeiten,  mit denen Männer vor dem Gesetz zu kämpfen haben.

Zunächst erschlagen uns die Autorinnen mit einer großen Menge an Fakten. Das ist vielleicht sogar nötig für all die Menschen, die bisher immer noch dachten, dass es „Männer ja eh besser haben“. Damit ist nach den ersten eineinhalb Seiten aufgeräumt. Und zwar gründlich aufgeräumt.

Denn wen die Tatsache kalt lässt, dass bereits 12-jährige Jungen eine drei Mal höhere Selbstmordrate haben als gleichaltrige Mädchen, dem ist nicht zu helfen.
Die meisten Gewaltopfer sind Männer (zwei von dreien), die meisten Obdachlosen (drei von vier), Männer sind in ein enges Rollenkorsett gezwungen, wenigstens so lange sie nicht schwul sind.

Mit dem Willen zum Aufbrechen der „klassischen“ Rollen für die Männer ist es laut den Autorinnen sogar bei Frauen noch deutlich schlechter gestellt als bei Männern.

Das Rollenmodell »Sie arbeitet, er bleibt zu Hause« ist nur für wenige akzeptabel – am wenigsten für Frauen: Männer halten es zu 13 Prozent für vorstellbar, Frauen nur zu neun Prozent, wie eine Allensbach-Studie kürzlich zeigte. Nur wenige Frauen binden sich an einen Mann, der einen geringeren Bildungsgrad hat, ihr also womöglich keine finanzielle Sicherheit bieten kann. Während Männer mit einem höheren Bildungsabschluss zu 30 Prozent »nach unten« heiraten, tun das nur neun Prozent der Frauen.

Konsequenzen zieht der Artikel daraus leider nicht. Obwohl es nötig wäre: Gleichberechtigung und neue Rollenmodelle für Männer scheitern nämlich offenbar noch stärker an Frauen als an Männern. Es schadet nicht, das zu thematisieren. Wollen Frauen den „neuen Mann“? Die meisten wollen ihn nicht.

Selbst moderne, emanzipierte Frauen reagieren manchmal verschreckt, wenn ihr Mann wirklich einmal Schwäche zeigt. Therapeuten berichten, dass Frauen erst von ihrem Mann einfordern, Gefühle zu zeigen – und ihn genau dann verlassen, wenn er negative Gefühle, beispielsweise Depressionen, eingesteht. So haben diese Frauen sich das mit der Partnerschaft auf Augenhöhe dann nämlich doch nicht vorgestellt.

Männer sollen in den Augen von Frauen Gefühle zeigen – aber bitte nicht zu viel. Ist „Partnerschaft auf Augenhöhe“  also nur drin, so lange Männer tapfer aufrecht stehen und  erfolgreich sind?

Trotzdem geht der Artikel die typisch männlichen Probleme direkt an:

Viele der spezifisch männlichen Probleme werden gar nicht als männliche Probleme wahrgenommen, sondern als allgemein soziale: Obdachlosigkeit, Suizid, Burn-out, Gewalt, Schulversagen, Alkoholabhängigkeit. Die alten Vorstellungen von Mann und Frau haben sich in die Gegenwart gerettet, und sie besagen: Die Frau ist passiv, sie wurde erst unterdrückt, dann befreit und schließlich gefördert; der Mann aber gilt als aktiv. Er ist für sein Glück und Unglück selbst verantwortlich.
(…)
Die übliche Deutung dieser Ungleichheit [bei Schülern] lautet: Selbst schuld, diese Halbstarken. Ein junger Mann braucht unser Mitleid nicht.

Männer sind Täter, Frauen sind Opfer. Das Vorurteil, Männer bräuchten Hilfe nicht – oder schlimmer – sie hätten sie nicht verdient ist kein Relikt das die Gesellschaft hinter sich gelassen hat.
Nein, es ist ein gelebtes, ein aktuelles Vorurteil, an dem noch immer viele  Männer zerrieben werden.

Man könnte folgende These wagen: Brächten sich viel mehr Frauen um als Männer – es gäbe Kampagnen, Forschungs- und Präventionsprogramme.
Für Jungen und Männer gibt es: nichts. Ihre spezifischen Probleme bleiben im toten Winkel der gesellschaftlichen Debatte. Weil beide Geschlechter es nicht anders wollen. In einer Zeit, in der es psychologische Hilfsangebote für aggressive Hunde gibt, werden psychische Probleme von Männern kaum ernst genommen.

Das bringt es tatsächlich auf den Punkt. Und hier zeigt sich auch der gewaltige Unterschied zur Frauenbewegung in den 70er Jahre. Denn welche moderne Frau hätte damals bestritten, dass Frauenrechte Aufholbedarf haben, und dass sich etwas tun muss?

Dass Männer eine Rechtevertretung brauchen ist eine Idee, die für die meisten Männer unerträglich ist. Sie leugnen schlicht ihre steigende Machtlosigkeit gegenüber den Verhältnissen.
Ironischerweise ist diese Vorstellung etwas, das sowohl „Machos“ als auch männliche Feministen eint.

Die Krise des Mannes wird nicht einfach nur übersehen. Die These, dass Männer Hilfe brauchen, wird schlicht bekämpft. Sie passt nicht in unser Bild von Frauen und Männern. Sie macht die Diskussion über Macht und Gerechtigkeit noch komplizierter, als sie schon ist. Denn natürlich gibt es sexuelle Gewalt gegen Frauen, natürlich gibt es den Gender Pay Gap, die Geschlechterdifferenz beim Verdienst von Männern und Frauen.
Deshalb werden Autoren und Experten, die sich mit spezifisch männlichen Problemen befassen, als Revanchisten und Antifeministen angesehen. Sie werden ähnlich wahrgenommen wie die Frauen, die sich in den siebziger Jahren mit Frauenfragen beschäftigten: als Menschen mit persönlichen Problemen, Frustrierte, die mit dem anderen Geschlecht nicht zurechtkommen
und die Schuld dafür der Gesellschaft geben. Über den Soziologen Walter Hollstein, der der Politik vorwirft, sie habe das »angeblich so starke männliche Geschlecht vergessen« und »über Jahrzehnte hinweg nur Mädchen und Frauen gefördert«, stand in der FAZ mit kaum verhohlener Verachtung: »Hollstein ist von Beruf gewissermaßen Mann.«

An diesem Punkt sieht man, wie sehr die Männerrechtsbewegung noch in den Kinderschuhen steckt. Die Frauenrechtsbewegung war innerhalb eines Jahrzehnts voll da. Das ist etwas, das der Männerrechtsbewegung nicht gelingen wird, vor Allem auch deshalb weil sie so erbarmungslos und hartnäckig bekämpft wird.

Und anders als die Frauenbewegung der 70er kann eine moderne Männerbewegung wohl keine breite Hilfe vom anderen Geschlecht erwarten.

Obwohl die Autorinnen den Artikel wie folgt abschließen:

Doch welche Frau sollte sich darüber freuen,
dass der Mann, den sie liebt, fünf Jahre vor ihr
stirbt, weil er ungesund gelebt hat und nicht zum
Arzt gegangen ist?
Welche Mutter sollte sich darüber freuen, dass
ihr Sohn schlechtere Noten bekommt als ihre
Tochter?
Welche Akademikerin sollte sich über all die
Statistiken freuen, die besagen, dass hoch qualifizierte
Frauen keinen Mann finden?
(…)
Wenn es eines Tages eine Männerbewegung
gibt, die Frauen können sich freuen.

Man sieht: den Autorinnen geht es am Ende doch nur wieder um die Frauen. Ob ein Männerrechtler als Autor wohl zu dem selben Schluss gekommen wäre? Ich hoffe sehr, dass wenn es eines Tages eine breite Männerrechtsbewegung gibt, es die Männer sein werden, die sich freuen können.

ZEIT-Aufmacher: „Not am Mann“

So macht die morgige ZEIT morgen auf:

Alles schaut auf die Chancen von Frauen. Übersehen wird: Immer mehr Männer fallen zurück. Männer sind öfter krank, trinken mehr, werden eher arbeitslos oder arbeiten sich zu Tode. Ist es Zeit für eine Männerbewegung?

Das ist schon mal eine gute Sache. Ich bin dabei gespannt, was die ZEIT aus dem Thema macht. Bisher war man es als Männerrechtler leider gewöhnt, dass die Beschäftigung des Themas eher so aussah, dass Männern Behäbigkeit im gesellschaftlichen Wandel nachgesagt wurde.

Mit anderen Worten: An ihren Problemen seien Männer selbst Schuld, strukturelle Gründe gäbe es dafür  nicht.

Mal sehen, wie die ZEIT da Thema abhandelt.

via genderama

2014: Arne Hoffmann ruft „Jahr des Mannes“ aus

Der bekannte Männerrechtler Arne Hoffmann ruft in seinem Blog Genderama am heutigen Tage für 2014 das „Jahr des Mannes“ aus. Sein Vorbild ist der britische Männerrechtler Glen Poole, dem es vor Allem um die hohen Selbstmordzahlen von Männern geht.

2014 has been declared the Year of the Male by the male suicide prevention charity, CALM (the Campaign Against Living Miserably) who are co-ordinating a „year-long exploration and celebration of what it means to be a man“.

To mark the launch of the initiative CALM has published a „Charter for Contemporary Man“ that I played a role in drafting in partnership with leading psychologists and academics, the CEO of Men’s Health Forum and the team at CALM.

We may have different views on why we need a Year of the Male, but we broadly agree that there’s been a huge shift in men and women’s roles in the past 50 years. We’ve signed this charter because we believe the time has come for us to ask the big questions about what it means to be a man in the UK today and what changes we need to make to create a fair and flourishing society that works for everyone.

Der komplette Beitrag findet sich hier.