Verhütungsmethoden, Freiheit und Gleichberechtigung

Wer sich für Verhütungsmethoden interessiert und die gesellschaftlichen Auswirkungen derselben, stößt zwangsläufig auf die Antibabypille.

Antibabypille

Der SPIEGEL beispielsweise misst der Antibabypille allergrößte Bedeutung zu, sicher nicht zu Unrecht:

Kleine Tablette, große Wirkung
Die Antibabypille revolutionierte das Sexualleben: Sie ermöglichte Frauen freiere Lebensplanung und sexuelle Selbstbestimmung.

In der Wikipedia werden die gesellschaftlichen Auswirkungen der Antibabypille kurz aber eindrucksvoll festgehalten:

Der Economist bezeichnete die Antibabypille als die Erfindung, die das 20. Jahrhundert maßgeblich prägte. 1965, fünf Jahre nach der Erstzulassung, wurde sie in den USA bereits von 41 % der verheirateten Frauen unter 30 Jahren verwendet. Erst 1972 wurde durch die Entscheidung im Fall Eisenstadt v. Baird auch unverheirateten Frauen in den USA der Zugang ermöglicht. 1976 verhüteten drei Viertel der 18- und 19-jährigen Frauen mit der „Pille“.[8]

Tatsächlich hat die Antibabypille viele praktische Eigenschaften. In der Tat stehen Menschen heute ein ganzer Strauß an Verhütungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Im folgenden beziehe ich mich auf die Artikel „Alle Verhütungsmethoden und ihre Sicherheit“ von Dr. rer. nat. Geraldine Nagel.

Nagel teilt die Verhütungsmethoden in Gruppen nach Wirkungsmethode bzw. Anwendungsmethode ein:

  • hormonelle Verhütungsmethoden
  • Barrieremethoden
  • natürliche Familienplanung (NFP)
  • operative Verhütungsmethoden
  • chemische Verhütungsmittel

Dem möchte ich mich jedoch nicht anschließen. Da mich eher die gesellschaftlichen Aspekte von Verhütungsmethoden interessieren, teile ich die Verhütungsmethoden wie folgt ein:

  • sichtbare Verhütungsmethoden
  • unsichtbare Verhütungsmethoden (präkoital)
  • unsichtbare Verhütungsmethoden (postkoital)

„Natürliche Familienplanung“ lasse ich bewusst außen vor. Die „Sichtbarkeit“ einer Verhütungsmethode stufe ich danach ein, ob der Geschlechtspartner die Anwendung/Anwesenheit der Verhütungsmethode wahrscheinlich mitbekommt oder nicht.

sichtbare Verhütungsmethoden

Frauen Männer
Frauenkondom Kondom
Diaphragma (plusSpermizid)
Portiokappe (plusSpermizid)

unsichtbare Verhütungsmethoden (präkoital)

Frauen Männer
Pille Sterilisation
Einphasenpille
Zweiphasenpille
Zwei- und Dreistufenpräparate
Mikropille
Minipille
östrogenfreie Pille
Depotspritze (Dreimonatsspritze)
Hormonimplantat
Verhütungsring
Verhütungspflaster
Spirale (Intrauterinpessar)
Hormonspirale (Intrauterinsystem)
Sterilisation

unsichtbare Verhütungsmethoden (postkoital)

Frauen Männer
Pille danach
Abtreibung

Diese beeindruckende Liste zeigt: Verhütung ist faktisch Frauensache. Man kann es auch anders ausdrücken: beim Thema Verhütung haben Männer nichts zu melden, Männer bleiben außen vor. Mit allen positiven und negativen Folgen.

Die freie Sexualplanung und sexuelle Selbstbestimmung, die Frauen durch die Vielzahl an Verhütungsmethoden ermöglicht wird, findet bei Männern schlicht und ergreifend nicht statt.

Eine echte Wahlfreiheit ist an dieser Stelle Frauen vorbehalten. Männern bleibt die Verwendung von Kondomen (etwas, das Frauen verweigern können) oder die Möglichkeit zur Selbstverstümmelung per Sterilisation.

Jeder Mann, der dieses Thema schon einmal zur Sprache gebracht hat, wird sich einem Argument ausgesetzt sehen, das keines ist.
„Männer“, so die meist von Frauen vorgebrachte Aussage, „wollen ja gar nicht verhüten.“

Abgesehen davon, dass das gar nicht stimmt: ein durchaus entlarvender Ansatz, dass Menschen hier anderen Menschen den Wunsch auf Wahlfreiheit schlicht und ergreifend absprechen.

Männer sind beim Thema Verhütung nicht gleichberechtigt.

Nun ist völlig Gleichberechtigung biologisch sicher nicht möglich. Dass aber für Frauen viele und für Männer praktisch keine Verhütungsmethoden existieren ist sicher kein medizinisch-technisches, sondern ein Gesellschaftliches Problem.

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