Was bleibt vom Outing eines Bundesligaprofis?

Einige Wochen sind jetzt vergangen, seit sich der ehemalige Bundesligaprofi und Spieler in der Nationalmannschaft Thomas Hitzelsberger in der ZEIT als schwul geoutet hat.

Das Thema ist jetzt die Blogs und Zeitungen einmal rauf und runter gegangen. Viele kommentieren das Outing als banal. Für andere war es ein kleiner großer Schritt in Richtung Normalität für den Profifußball.

Seit Ewigkeiten hinkt der deutsche Profifußball den modernen gesellschaftlichten Realitäten hinterher, bildet sie auf der anderen Seite auch erstaunlich gut ab.

Wer nämlich denkt Thomas Hitzelsberger sei der erste Nationalspieler gewesen der sich als homosexuell geoutet hätte, der irrt. Homosexualität war im Frauenfußball in den letzten Jahren nie ein Problem.

Bereits im Jahr 2011 war Homosexualität im Frauenfußball Normalität. Und die erste eingetragene Lebenspartnerschaft einer Spielerin der Nationalmannschaft galt als derartig alltäglich, dass darüber keine merkbare Berichterstattung stattfand.

Schon damals war klar: Männer und Frauen werden im Profisport mit zweierlei Maß gemessen was Homosexualität angeht.

Über die Gründe kann man bestenfalls spekulieren. Klar ist aber: Frauen ist ein Outing offenbar problemlos möglich, Männer müssen ein Outing fürchten.
An dieser Stelle bildet der Profifußball die historische gesellschaftliche Realität ab. Während Schwule in der Vergangenheit Verfolgung und Gefängnis fürchten mussten, galt das für Lesben so nie.

Der §175 StGB, der Homosexualität zwischen Männern generell und später in bestimmten Fällen verbot, galt immerhin bis 1994. Zu Zeiten des Nationalsozialismus mussten Schwule das KZ fürchten, Frauen wurden wegen ihrer Homosexualität nicht verfolgt.

Homosexualität unter Frauen galt stets höchstens als „Verirrung“, Homosexualität unter Männern galt stets als Verbrechen. Diese historischen Verhältnisse setzen sich bis heute fort.

Und das ist es tatsächlich, was vom Outing des ersten männlichen Bundesligaprofis bleibt: Nämlich dass Männer nicht das gleiche „Recht“ haben homosexuell zu sein wie Frauen.

In Zukunft werden wir wohl viele weitere kleine Schritte im deutschen Profifußball erleben, bis es endlich normal sein kann, dass ein neuer Shooting-Star in der Nationalmannschaft schwul ist, und sein Partner bei den Spielerfrauen und -freundinnen auf der Tribüne sitzt.

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